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Zur gesellschaftlichen Funktion spätbürgerlicher Pädagogik

Der Spätkapitalismus treibt heute vornehmlich über die Massenmedien die Wissenschaft vor die Hunde. Wissenschaft setzt innerste Konzentration voraus, auch um den roten Faden des Gesamtzusammenhangs bei Entfaltung seiner komplexen Teilprozesse in der Hand zu behalten. Es ist heute besonders beim Konsum des Privatfernsehens unmöglich, ein Theaterstück, einen Film, eine Dokumentation oder eine Diskussion im Zusammenhang zu verfolgen, in regelmäßigen, nicht allzu langen Abständen, erfolgt die Unterbrechung durch Warenwerbung. Hier wird auf ekelhafte Weise systematisch auf eine Zerstörung der Grundlagen einer wissenschaftlichen Ausbildung gewirkt, auf eine Zerstörung des Denkens in Zusammenhängen, das eine Grundbedingung wissenschaftlichen Arbeitens ist. Diese Kulturbarbaren werden eines Tages nicht davor zurückschrecken, in Operationssäle einzudringen, da der Patient ja unter Halbnarkose oder örtlicher Betäubung noch einer geistigen Aufnahme für Produktwerbung fähig ist. Die bürgerlichen Systempädagogen erweisen sich als unfähig, hier gegen den Strom der millionenfachen Gehirnwäsche zu schwimmen, zu wenige haben eine revolutionäre antikapitalistische Grundeinstellung, um ihre Funktion im Ausbeutungsprozess zu begreifen. Die Funktion der Pädagogen in spätkapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen ist in gesellschaftswissenschaftlicher Hinsicht bestimmt keine periphere und es gilt, den Widerspruch herauszukristallisieren, in dem die spätbürgerliche Pädagogik gefangen ist und quasi gegen sich selbst arbeitet: Die weltanschaulich neutralen mathematisch-naturwissenschaftlichen Wissenschaften, die den unmittelbaren Verwertungsprozessen an der betrieblichen Basis dienen, stehen unter dem Diktat einer sich ständig steigernden Wissensakkumulation analog einer rasanten Höherentwicklung technischer Produktivkräfte, und zu dieser wissenschaftlich-technischen Bildung bewegt sich der andere Strang der schulischen Ausbildung, der gesellschaftswissenschaftliche, kontraproduktiv. Bei aller Qualifizierung technisch versierter Professionalität muss die politische Unmündigkeit des Lohnsklaven auf der Agenda bleiben. Die 'Werte und Normen', die die spätbürgerliche Schulpädagogik vermittelt, sind genuin volksfeindlich und dienen nur einer kleinen Schmarotzerminderheit. Es ist deshalb nicht möglich, der spätbürgerlichen Pädagogik einen gesamtwissenschaftlichen Charakter zu attestieren, das Auseinandergehen von Naturwissenschaft und Gesellschafts“wissenschaft“ verbunden mit dem Auseinandergehen von Theorie und Praxis (Ärzte zum Beispiel ohne polytechnischen Hintergrund kennen den kapitalistischen Ausbeutungsprozess und damit die Quelle der Mehrzahl der Krankheiten nicht, was sehr hart zu Lasten der Volksgesundheit ausschlägt) spricht eindeutig dagegen. Im Kapitalismus ist eine politische Schulung der Volksmassen nicht angesagt, eine Ware als Zubehör zu einem Maschinenkomplex braucht auch nicht den 'Faust' gelesen zu haben. Noch heute muss die Bundesregierung zugeben, dass in der BRD 7 Millionen Menschen Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben.

1 Kommentar 7.1.16 08:05, kommentieren

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Im Dezember 1971 wurde Georg von Rauch in Berlin erschossen

Karl Marx und Friedrich Engels sprachen am Anfang ihres Manifestes von einem Gespenst, das in Europa umgeht. Und dieses werde gejagt, vom Papst, vom Zaren, Metternich und Guizot, französischen Radikalen und von deutschen Polizisten. Am 4. Dezember 1971 wurde der Kommunarde Georg von Rauch im Alter von 24 Jahren ein Opfer des schießwütigen deutschen Polizisten Hans-Joachim Schulz, seines Zeichens Hauptkommissar. Georg, geboren in Marburg als jüngster von drei Söhnen eines Slawistik-Professors, fiel irrtümlich in den Kreis der Fahndung nach Mitgliedern der Baader-Meinhof-Gruppe, in der Gudrun Ensslin es als erste ausgesprochen hatte, dass die Auschwitz-Generation bewaffnet sei und auch heute das deutsche Volk unterdrücke. Aus dieser richtigen Erkenntnis, die sich auch nach dem Mord an Benno Ohnesorg durch den west-östlichen Polizisten Kurras ergab, entwickelten sich Widerstandsformen, die die anfänglichen teuflischen  Eugenspiegeleien bald ablegten und zur direkten bewaffneten Aktion übergingen. Man muß die Atmossphäre mitgespürt haben, die Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre die Frontstadt erfüllte. Diese vom disziplinierten Sozialismus umschlossene Insel urbaner Dekadenz hatte dennoch eine rebellische Jugend hervorgebracht, die hier und jetzt alle Zwangsjacken einer formierten Gesellschaft abwerfen wollte. Der Hippie-Song 'Let's live for today' war aus den USA um die Welt gegangen. Kommunen in großen Altbauwohnungen sollten die Pflanzstätten sein, in denen sich ganz andere Menschen mit der Sehnsucht nach Abschaffung der Klassen, diesem wahren Geheimnis der proletarischen Bewegung (Marx/Engels: Die angeblichen Spaltungen in der Internationalen, MEW 18,14) entfalten sollten. Dieser Kommunismus war als Stadtguerilla auszuführen, nicht durch eine disziplinierte Kaderpartei Lenin'scher Prägung. Eine eigentümliche Mischung aus Libertinage und Militanz fügte sich ein in eine Halbmetropole, die durch die Spaltung der Stadt zum brennendsten Widerspruch der deutschen Geschichte geworden war. Diese Jugendrebellion passte weder Pankow noch Bonn. Die neue Kampfform, die Kombination von Banküberfällen und Stadtguerillaaktionen, machte "deutsche Polizisten" nervös und ließ sie in einer regelrechten Baader-Meinhof-Hysterie zurück. Georg, Aktivist der APO und der Kommune in der Wielandstrasse in Charlottenburg,  war völlig unbewaffnet, als er vor der Schaufensterfront des Möbelkaufhauses Christians durch Kopfschuß getötet wurde. Es ergab sich sofort eine spontane Demo, die vor dem Möbelhaus halt machte, um dort die 'Internationale' zu singen. Auf der Demo wurde die Parole gerufen: "Rauch durch Presse und Polizei hingerichtet". Am Turm der Gedächtniskirche wurde das Bild von Rauchs, rote Fahnen und Transparente befestigt. (Siehe 'Die Rote Hilfe' 4/2015,58). Georg war nach Berlin gekommen, um an der Wirkstätte von Hegel, Fichte und Schelling Philosophie zu studieren. Aber er erkannte bald, dass es heute nicht darum geht, wie sich das Nicht-Ich aus dem Ich entwickelt, sondern wie die Bourgeoisie zu vernichten ist. Er war immer bereit, für die 'Kommune' sein Leben in die Wagschale zu werfen und auf ihn trifft zu, was Lenin über die Intellektuellen aus dem Mittelstand Rußlands schrieb, die 1881 Alexander den II. hinrichteten: "Sie haben den höchsten Opfermut entwickelt und die ganze Welt durch ihre heldenhafte terroristische Methode des Kampfes in Erstaunen versetzt. Sicher fielen diese Opfer nicht umsonst, sicher haben sie - sowohl in direkter als auch in indirekter Weise - zur späteren revolutionären Erziehung des russischen Volkes beigetragen. Aber ihr unmittelbares Ziel, das Erwachen einer Volksrevolution , haben sie nicht erreicht und nicht erreichen können". (Lenin, Ein Vortrag über die Revolution von 1905, Lenin Werke Band 23, Dietz Verlag Berlin, 1959,251).

1.1.16 01:06, kommentieren